Die Schließung der Povelwerke Ende der 70-er Jahre läutete in Nordhorn den Strukturwandel einer Region ein, die über 100 Jahre von der Textilindustrie geprägt worden war.

Traurige Hinterlassenschaft der Industrialisierung einer Flußaue waren 1.200 verlorene Arbeitsplätze und eine Industriebrache mit überwiegend hochkontaminierten Böden, direkt an der Altstadtinsel.



1985, die Stadt hatte das Gelände mittlerweise gekauft, brachten Untersuchungen erhebliche Schadstoffbelastungen zutage. Es wurden sowohl anorganische Belastungen wie Schwermetalle, als auch organische Verunreinigungen durch Öle, Phenole und chlorierte Kohlenwasserstoffe festgestellt.

Der Rat und die Verwaltung der Stadt Nordhom haben trotz der Altlasten die Zielsetzung einer umfassenden Sanierung und einer anspruchsvollen Nutzung festgehalten.Die Sanierungsarbeiten sind fast abgeschlossen, die Bebauung fand in den gereinigten Abschnitten parallel zur laufenden Sanierung statt. Die Bevölkerung wurde über die Fortschritte der Sanierung mit Veranstaltungen und Schautafeln im Gelände ständig informiert.

Ein Areal mit einem, bedingt durch die unmittelbare Anbindung zur Innenstadt, einmaligen städtebaulichen Potential, aber auch ein Problem. Neue Sanierungskonzepte mußten entwickelt werden, die auf der einen Seite den finanziellen Möglichkeiten der Mittelstadt, andererseits einem weiterentwickelten Verständnis vom Umgang mit unserer Natur Rechnung trugen.

Somit war eine Sanierung, die die verseuchte Erde lediglich auf Deponien entsorgt, von vorne herein nicht tragbar. Es wurde eine Technik entwickelt, die eine Sanierung möglichst vor Ort erlaubte.

Im wesentlichen sieht das Sanierungskonzept vor, das nach Schadstoffbelastungen getrennte Erdreich gezielt einzelnen Sanierungsverfahren zuzuführen. Eingesetzt wurden die Verfahren Biologie, Bodenwäsche, Thermik und Deponie(Konzentrate). Die Hauptmasse ist biologisch saniert worden.



Der kontaminierte Boden wurde mit Kompost durchsetzt und natürlichen Milieubedingungen (Biobeete) gereinigt. Die Reinigung wird durch Bakterien und Pilze bewirkt. Auf diese Weise konnte der weit überwiegende Anteil der Böden vor Ort gereinigt werden. Lediglich 2 % der gesamten Bodenmasse mußte zur Sondermülldeponie verbracht werden.

Nicht alle Hinterlassenschaften der letzten 100 Jahre lassen sich in einer Zeitspanne von 10 Jahren wirtschaftlich vertretbar entsorgen. Eine "Schadstoffpyramide" wird als Zeichen an unsere Zukunft bleiben. Ein Mahnmal für den Umgang mit unserer Umwelt, aber auch eine Aufforderung an uns, weitere Lösungen zu finden, die aus dem Kreislauf der Umweltzerstörung herausführen.

Die Sanierung des Geländes stellt die primäre Aufgabe des Projektes Povel dar. Die besondere Herausforderung ist die neue städtebauliche Konzeptionierung. Hierbei wurde das Thema Wohnen Leitlinie für die neue Nutzung des Areals.